Der Neptunbrunnen

Der Neptunbrunnen

Schafft den Neptunbrunnen endlich zurück in die Altstadt!
Dafür soll im Stadtpark ein Spielbrunnen für Kinder entstehen!

2009, also im kommenden Jahr, sind es 75 Jahre seit die Nationalsozialisten die Kopie des Neptunbrunnens vom Hauptmarkt verschleppt haben. Der Grund: Der Stifter war ein jüdischer Nürnberger und angeblich störte der Brunnen die Aufmärsche während der Nazi-Parteitage über den Hauptmarkt.

Der bis dahin bei Nürnbergern an seinem Standort höchst beliebte Brunnen war 1902 als Abguss des seit 1797 an den Zarenhof nach Petersburg verkauften Originals errichtet worden. Bei Schloss Petrodwez ist er bis heute zu besichtigen.

Der Neptunbrunnen auf  dem Hauptmarkt, Foto Lala Aufsberg, um 1935.

Der Neptunbrunnen auf  dem Hauptmarkt, Foto Lala Aufsberg, um 1933.

Der nach 1660 von Georg Schweigger und Christoph Ritter geschaffene Brunnen gilt als der schönste deutsche Barockbrunnen aus dem 17. Jahrhundert und gehört zu den wenigen wertvollen barocken Hinterlassenschaften in unserer Stadt. Wegen misslicher äußerer Umstände und dem Geldmangel, der sich nach dem 30-jährigen Krieg im wirtschaftlichen Abstieg befindenden Reichsstadt Nürnberg, wurde der Brunnen in der Stadt nie aufgestellt. Während des ganzen 18. Jahrhunderts rissen sich die Fürstenhäuser Europas um das einzigartige Kunstwerk, doch scheiterten sie an den überzogenen Forderungen der Nürnberger. Erst 1797, kurz vor dem Ende der Reichsstadtzeit, kam es zum Verkauf des Kunstwerks für 66 000 Gulden an den Zaren Paul I.

Nach dem wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Stadt im Zuge der Industrialisierung, rief 1881 der führende Nürnberger Maler und Kunstprofessor Friedrich Wanderer in einem Aufsatz dazu auf, den Brunnen wenigstens in Form einer Kopie für die Stadt zurückzugewinnen: „Welch ein freudiges Gefühl wäre es für das wiederaufblühende Nürnberg, den ehrwürdigen Brunnen, wenn auch nur als schöne Kopie, auf seinem Marktplatz aufstellen zu können! Wenn die Nachkommen heute mit Genugtuung ausrufen könnten: Sehet, was unsere Väter in den Zeiten der Not durch Missgeschick und eigene Schuld verloren, wir haben es uns wieder erworben.“

1901 erklärten sich der jüdische Hopfenhändler und Mäzen Ludwig Gerngros und seine Gemahlin dazu bereit, einen neuen Abguss dieser Kopie, unter der Bedingung der Aufstellung auf dem Hauptmarkt, zu finanzieren. Der nicht nur hier generöse Nürnberger Kaufmann erhielt dafür die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt. Am 22. Oktober 1902 wurde der von Wanderer nach den originalen Entwurfszeichnungen rekonstruierte Brunnen feierlich auf dem Hauptmarkt enthüllt.

Nach der Entfernung des Kunstwerks vom Hauptmarkt durch die NS-Stadtverwaltung wurden Neptun und sein Brunnen 1937 auf dem Marien-
platz wieder aufgebaut. Hier überstand er den Krieg glücklicherweise ohne größere Schäden, musste dann aber im Jahr 1961 von dort wegen des Baus des Omnibusbahnhofs weichen. Seinen neuen Platz fand er 1962 im Stadtpark. Die Mitte der 1980er Jahre in Gang gekommenen Planungen, den Brunnen wieder in die Innenstadt, jetzt auf den Platz zwischen St. Elisabeth und die Jakobskirche zu holen, führten dort bereits zu fertigen Installationen während des U-Bahnbaus. Doch der bis dahin mehrheitlich geplante Umzug scheiterte an einer absurden Zufallskoalition aus CSU, der soeben durch Parteiaustritte entstandenen Nürnberger Grünen und des Restkommunisten im Stadtrat.

Modellansicht des Brunnens zwischen beiden Kirchen

Modellansicht des Brunnens zwischen beiden Kirchen

Der Neptunbrunnen ist  auch als Kopie ein einzigartiges Kunstwerk. Jeder, der sich die Brunnenfiguren einmal aus der Nähe betrachtet hat, ist von der geheimnisvollen Melancholie in den ernsten Gesichtern berührt. Sie sprechen zu uns wie durch den Zeitschleier der zurückliegenden  Jahr-
hunderte von den Schrecken ihrer Zeit. Nürnberg verlor während des Krieges und vor allem in den Jahren 1632/33 fast zwei Drittel seiner Einwohner durch Seuchen und Verhungern, schrecklichen Vorgängen, die wir heute nur noch aus Ländern der Dritten Welt kennen. Auch wenn der Brunnen, wie man lange glaubte, nicht zur Erinnerung an das Ende der 30jährigen Verheerung in Auftrag gegeben wurde, seine Schöpfer haben die Ereignisse erlebt. So ist das Kunstwerk dennoch ein beeindruckendes Denkmal für die Schrecken dieser Jahre und gegen den Krieg.

Vor allem aber spiegelt der Neptunbrunnen wie kein anderes Kunstwerk die wechselvolle Geschichte unserer Stadt von ihrer Blütezeit und dem folgenden Niedergang,  den wirtschaftlichen Wiederaufstieg in der Industriezeit zur Großstadt, ihren erneuten Untergang durch die Naziherrschaft, bis zum folgenden Wiederaufbau, als er wegen des Baus des Busbahnhofs in den Stadtpark weichen musste.

Ein Reiter des Neptunbrunnens, Aufn. 1942

Ein Reiter des Neptunbrunnens, Aufn. 1942

Den Brunnen zum Weißen Turm! Das walte Mulzer!

Immer wieder ist seit der unglückseligen Stadtratsentscheidung von 1986 die Forderung laut geworden, den Brunnen in seiner Schönheit und historischen Bedeutung  seiner Bestimmung gemäß in die Stadt zurückzuholen, am deutlichsten in einem grundsätzlichen Beitrag von Erich Mulzer in den „Altstadtberichten“, der Zeitschrift der „Altstadtfreunde“ 1988 sowie  in zahlreichen weiteren Veröffentlichungen, zuletzt von Helmut Beer in der NZ 2006, von Fritz Aschka in den NN und unlängst von Oskar Schneider, dem ehemaligen Bundesbauminister. Es ist endlich an der Zeit, nicht nur die Rückkehr des Brunnens anzumahnen.

Die Guten fordern: Schafft den Neptunbrunnen  noch vor dem  75-jährigen Jahrestag seiner Verschleppung durch die Nazis in die Altstadt zurück! Ein Wiederaufbau des Brunnens in der Altstadt am schon vorbereiteten Platz zwischen St. Jakob und St. Elisabeth entspräche der Bedingung des Stifters, über den sich die städtische Nachkriegsverwaltung bisher hinweggesetzt hat. Eine Verlegung auf diesen Platz würde nicht nur einen ebenso interessanten Gegenpol westlich des Weißen Turmes zum östlich gelegenen, so beliebten Ehebrunnen herstellen, sondern auch die notwendige Anbindung der westlichen Jakober Altstadt schaffen. Es lohnte sich, hinter den Weißen Turm zu dieser Sehenswürdigkeit weiter zu gehen.

Ein Wasserspielbrunnen in den Stadtpark!

Aber was kommt dafür in den Stadtpark?  Was der Park vor allem braucht, sind mehr Spiel- und Aktivitätsinseln für Kinder und Jugendliche. Nicht umsonst wird der Brunnen heute in der Winterszeit, auch weil die Stadt das Geld spart, den Brunnen ausreichend zu schützen, besonders gern als Klettergerüst gebraucht und immer wieder beschädigt. Im Sommer dagegen ist er als Wasserspielplatz für Kinder kaum geeignet.

Es ist löblich, den Park mit allerlei Skulpturen und hölzernen Kunstwerken für Kinderrechte auszustatten, doch das ist mehr für Mama und Papa, wenn die das denn überhaupt interessiert. Für die Kinder, vor allem Kleinkinder, werden immer noch zu wenig echt nutzbare Einrichtungen und Flächen angeboten. Warum also nicht an Stelle des Neptunbrunnens eine begeh-
baren, beplansch- und  bespielbaren Brunnen, eine Wasserlandschaft mit spritzenden Fontänen für kleine Kinder schaffen. Viele junge Familien und Alleinerziehende wären für eine solche kostenlose Attraktion höchst dankbar, nicht nur wegen der zu erwartenden immer heißeren Sommermonate, sondern auch weil hier ein öffentlich zugängliches Gegengewicht etwa zu teueren Spielekonsum und –vollzugeinrichtungen per Eintrittsgeld wie bei Tuchers auf dem Gelände des ehemaligen Frankenbads am Marienberg geschaffen werden.

Die Guten fordern mit Professor Wanderer:

Die Guten - Logo"Wenn wir heute mit Genugtuung ausrufen könnten. Sehet, was unsere Väter (und diverse Parteien) in den Zeiten der Not durch Missgeschick, eigene Schuld  und moderne Ignoranz verloren, wir haben es uns wieder erworben!“